Radler auf Abwegen: Naturschützer schlagen Alarm
München – Was gibt es Schöneres als mitten in der freien Natur zu Sporteln? Kein Wunder, dass immer mehr Radfahrer in ihrer Freizeit auf Waldwegen unterwegs sind. Forstbesitzer und Naturschützer fürchten aber vor allem die zunehmende Zahl von Mountainbikern, die abseits der Pfade fahren. Die Radler dagegen können die Bedenken nicht nachvollziehen.
Waldbesitzer können bei Unfällen haftbar gemacht werden
Ein großes Problem seien Radfahrer, die Abfahrtsstrecken im Wald anlegen: „Wir raten unseren Mitgliedern, jede dieser Anlagen sofort zu zerstören. Denn wenn ein Waldbesitzer Rampen oder Ähnliches in seinem Wald duldet, kann er bei Unfällen dafür haftbar gemacht werden“, sagt der Geschäftsführer des Bayerischen Waldbesitzerverbandes, Carl von Butler. Zudem kämpfen einige Waldbesitzer mit Erosionsschäden durch Radfahrer, die abseits der Forstwege fahren.
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Radfahren auf dafür geeigneten Wegen ist im Wald erlaubt
Radfahren auf freien Wegen ist in Bayern grundsätzlich erlaubt - so hat zumindest der Bayerische Verwaltungsgerichtshof vor kurzem geurteilt. „Hierzu gehört grundsätzlich auch das Radfahren auf geeigneten Wegen im Wald, wenn es der Erholung und beispielsweise nicht kommerziellen Zwecken dient“, präzisierte das Umweltministerium. Dem Bayerischen Waldbesitzerverband fehlt jedoch eine genaue Definition der geeigneten Wege für Radfahrer: „Mit dem technischen Fortschritt gibt es bald keinen Weg mehr, den ich nicht mit meinem Fahrrad befahren kann. Wir plädieren daher für eine Kennzeichnung der für Radfahrer geeigneten Wege im Wald“, sagt von Butler.
Naturschützer fordern mehr Rücksicht auf Pflanzen und Tiere
Auch Naturschützer fordern beim Radfahren im Wald mehr Rücksicht auf Pflanzen und Tiere. „Mountainbiker, die durch wegloses Gelände fahren, können zum Problem werden“, so Richard Mergner, beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zuständig für Verkehr, Flächenschutz und Umweltpolitik.
Dennoch sollte Radfahren im Wald oder in den Bergen erst dann verboten werden, wenn es zu einem Konflikt zwischen Wanderern und Fahrradfahrern kommt.
Der Deutsche Alpenverein (DAV) sieht das anders: „Wir können oft nicht nachvollziehen, warum das Radfahren auf Waldwegen eingeschränkt ist - vor allem bei Wegen, die weder beschädigt noch besonders stark frequentiert sind“, sagte Steffen Reich vom Deutschen Alpenverein.
Das Problem seien fehlende Alternativrouten für Radfahrer. „Wenn Radfahrer nicht einsehen, warum sie auf bestimmten Wegen nicht fahren dürfen, halten sie sich auch nicht daran“, sagt Reich.
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