Psssssst ! Das sind die leisesten Plätze Bayerns
München - Unter dem Motto "So geht leise" wollen am "Tag gegen Lärm" mehr als 100 Veranstalter in ganz Deutschland für mehr Ruhe werben. Bei dem Aktionstag geht es nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Akustik (Dega) um Lärm, seine Wirkung und darum, wie man sich schützen kann.
Schulen bieten Workshops an, Hörgeräteakustiker laden zu kostenlosen Hörtests ein und Berufsgenossenschaften schulen zum Thema Lärmschutz. "Lärm stresst" heißt zum Beispiel eine Aktion des Landesamts für Gesundheit in München. Schüler können erleben, was es heißt, hörgeschädigt zu sein, und ihre MP3-Player testen lassen.
Lärm mindert die Lebensqualität und schadet der Gesundheit. Studien des Umweltbundesamtes ergaben, dass laute Geräusche die Ausschüttung des Stresshormons Adrenalin steigern. Die Folgen bei dauerhafter Lärmbelastung: Bluthochdruck, Herzinfarkte, Gehörschäden. Einige Lärmpegel und ihre Risiken:
40 Dezibel (Flüstern): stören bereits den Schlaf
60 Dezibel (Gespräch, leises Radio): stören die Konzentration, es zeigen sich erste Belastungsreaktionen
80 Dezibel (Hauptverkehrsstraße): erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko bei dauernder Belastung
100 Dezibel (Kreissäge, Presslufthammer): Gehörschäden bei jahrelanger Dauerbelastung
140 Dezibel (Startgeräusch eines Flugzeugs in 40 Metern Entfernung, Trillerpfeife): mögliche Gehörschäden schon nach kurzer Zeit
160 Dezibel (Gewehrschuss in Mündungsnähe): Gehörschäden schon bei einmaliger Einwirkung
Wo in Bayern ist es besonders leise, wo besonders laut? Hier ist eine Auswahl an Plätzen, an denen man die sprichwörtliche Stecknadel fallen hört. Und Stellen, an denen oft nicht mal Ohrenzuhalten hilft.
Gunzenhausen: Das Bunkerkrankenhaus
Eine sieben Zentner schwere Stahltür und eine 60 Zentimeter dicke Stahlbetonhülle samt Bleiumhüllung schotten das alte Bunkerkrankenhaus in Gunzenhausen von der Außenwelt komplett ab. In den alten, nie als Krankenhaus genutzten Räumen herrscht eine ganz eigene Stimmung – drei Meter unter der Erde. Laut wird es höchstens, wenn einer der Führer die alten Schiffsmotoren, Notstromaggregate und Lüftungsanlagen, anschaltet. Einst gab es rund 220 solcher Bauwerke in Deutschland. Heute ist das in Gunzenhausen das einzige seiner Art, das noch fast komplett ausgerüstet ist.
München: Die HNO-Kabine beim Ohrenarzt
In den höchsten Tönen wird hier getestet – und in den tiefsten auch. Dazu muss vollkommene Stille herrschen: Einer der geräuschlosesten Orte – nicht nur in Bayern, sondern auf der ganzen Welt – ist die „Tonaudiometrie-Kabine“. Patienten absolvieren in diesen Räumen beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt den Hörtest, und dabei sollen keine Geräusche von außen stören.
Theoretisch könnten in den mit Schaumgummi isolierten Räumen null Dezibel erreicht werden, wie Clemens Heiser erläutert. Er ist Leiter des Schlaflabors an der HNO-Klinik im Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München. Doch sobald sich ein Mensch darin aufhält, entstehen wieder Geräusche: nämlich durch den Atem, das Herz und den Darm.
Bayerischzell: Die Wendelsteiner Höhlengänge
Wenn man mehrere hundert Meter in eine Höhle wie in die Gänge auf dem Berg Wendelstein hineinläuft, kriecht und robbt, dringt an das Gehör weder der Lärm von Straßen noch von Düsenjets. Sobald alle Lampen ausgeschaltet sind, fallen die Augen als Sinnesorgan aus – und die Ohren scheinen zu wachsen. In manchen Höhlen hört man dann aus der einen Ecke Wasser tropfen, aus der anderen Richtung kommt eine Art Gezwitscher – Fledermäuse, die mit sogenannten Soziallauten untereinander kommunizieren. In vielen Höhlen hört man aber: nichts. Also fast nichts: Der eigene Herzschlag donnert gegen die Rippen, das Blut rauscht in den Ohren. Wer es schafft, den selbstproduzierten „Krach“ auszublenden, kann absolute Stille genießen.