Prozess gegen ICE-Messerstecher: Augenzeugen leiden

Anfang November 2021 geht ein Mann in einem ICE unvermittelt mit einem Messer auf Mitreisende los. Vor Gericht berichten Augenzeugen nun von den psychischen Folgen, unter denen sie seit der Attacke leiden. Danach kommen im Prozess die Verletzten zu Wort.
dpa |
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Die Justitia ist an einer Scheibe am Eingang zum Oberlandesgericht zu sehen.
Die Justitia ist an einer Scheibe am Eingang zum Oberlandesgericht zu sehen. © Rolf Vennenbernd/dpa/Symbolbild
München

Nach der blutigen Messerattacke auf Reisende in einem Schnellzug von Passau nach Nürnberg haben am Donnerstag im Prozess gegen den mutmaßlichen Täter zahlreiche Augenzeugen ausgesagt. Mehrere der damaligen ICE-Passagiere berichteten vor dem Oberlandesgericht München von ihren andauernden psychischen Belastungen, ausgelöst durch die blutige Attacke vor einem Jahr. "Ich war in Therapie, konnte lange nicht arbeiten", sagte etwa eine 18-Jährige. Zugfahren könne sie seit dem Vorfall nicht mehr. Eine andere Zeugin sprach von Schlafstörungen und Panikattacken.

Der Prozess gegen Abdalrahman A. hatte vor rund zwei Wochen begonnen. Die Anklage wirft dem 27-Jährigen unter anderem versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung vor. Er soll am 6. November 2021 in einem ICE auf der Fahrt nach Nürnberg unvermittelt vier Männer mit einem Messer angegriffen und drei davon schwer verletzt haben. Der Generalbundesanwalt übernahm die Ermittlungen, weil es "gravierende Anhaltspunkte für einen islamistischen Hintergrund" der Tat gebe.

Aus Sicht der Verteidigung ist dagegen nicht ausgemacht, ob es sich bei ihrem Mandanten wirklich um einen Dschihadisten handele - und wie dessen psychischer Zustand zum Zeitpunkt der Tat einzuschätzen sei.

Die Augenzeugen malten bis auf kleine Abweichungen ein einheitliches Bild der Geschehnisse im ICE. Es sei ruhig im Großraumwaggon gewesen, sagten sie, bevor sie plötzlich durch Schreie auf den Angriff aufmerksam wurden. Ein Mann habe im Gang gestanden und einen sitzenden Mitreisenden attackiert - mit Faustschlägen, vermutete ein Großteil der Anwesenden nach eigenen Angaben zunächst. Die Messerklinge in der Hand des Täters hätten sie erst später gesehen.

Ein älterer Passagier sei eingeschritten, woraufhin der Täter in Richtung des nächsten Wagens weitergegangen sei. Kurz vor der Tür habe er noch einen weiteren Mitreisenden angegriffen, bevor er in den angrenzenden Wagen verschwunden sei. Unter den Passagieren sei Panik ausgebrochen, berichtete eine Zeugin. Viele von ihnen seien in die entgegengesetzte Richtung des Angreifers geflohen.

Der Prozess soll am Freitag mit der Vernehmung der vier Geschädigten fortgesetzt werden. Das Gericht hatte zu Beginn des Verfahrens zunächst 24 Verhandlungstage bis zum 23. Dezember angesetzt.

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