Polizei gibt nach Raserunfall Einblick in Ausbildung

Ein Raser fährt mit bis zu Tempo 100 durch München und tötet einen Jugendlichen. Der Fahrer wollte der Polizei entkommen. Haben die Beamten Fehler gemacht?
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Der Polizeidirektor der Bayerischen Bereitschaftspolizei, Gerd Enkling. Foto: Nicolas Armer/dpa/Archivbild
dpa Der Polizeidirektor der Bayerischen Bereitschaftspolizei, Gerd Enkling. Foto: Nicolas Armer/dpa/Archivbild

München (dpa/lby) - Nach Kritik an der Polizeitaktik vor dem tödlichen Raserunfall in München geben die Ordnungshüter Einblick in ihre Schulungen. "Die Beamten in Ausbildung werden geschult, die jeweilige Situation im Einzelfall zu beurteilen", sagte Bayerns Polizei-Chefausbilder Gerd Enkling. So müssten Polizisten einschätzen können, ob ein Verkehrsteilnehmer Signale der Polizei etwa nicht bemerke oder sie ignoriere und womöglich mit erhöhtem Tempo davonfahre. "In allen Fällen ist aber eine polizeiliche Nachfahrt nach Möglichkeit durchzuführen", sagte Enkling.

Insbesondere wenn der Autofahrer deutlich beschleunige, ist für ihn ein schnelles Eingreifen nötig. Denn dann müsse "es für die Polizeibeamten als Fakt angesehen werden, dass der Betreffende ab diesem Zeitpunkt eine hohe Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung darstellt", sagte der Leitende Polizeidirektor der Bereitschaftspolizei der Deutschen Presse-Agentur.

Der Raser war am vergangenen Freitag kurz vor Mitternacht auf der Flucht vor einer Polizeikontrolle mit bis zu 100 Stundenkilometern durch München ge fahren. Er erfasste zwei 14 und 16 Jahre alte Jugendliche. Der 14-Jährige starb im Krankenhaus, die 16-Jährige wurde schwer verletzt.

Den Beamten wurde danach von einzelnen Nutzern in sozialen Netzwerken vorgeworfen, den 34 Jahre alten Autofahrer gehetzt und damit den Unfall provoziert zu haben. So schrieb jemand zum Beispiel auf der Facebook-Seite der Polizei München, es sei ihm "schon öfters aufgefallen, dass Situationen überhaupt erst eskalieren wenn die Polizei eingreift". Eine Twitter-Nutzerin meinte, bei dieser "Hetzjagd" seien Todesopfer in Kauf genommen worden.

Die Münchner Polizei hat die Angriffe zurückgewiesen. Auch in zahlreichen anderen Kommentaren wurden die Beamten in Schutz genommen. Am Freitag soll am Unfallort mit einer Mahnwache an die Opfer erinnert werden.

Enkling betonte, dass ein flüchtender Autofahrer immer davon ausgehen wird, dass er verfolgt oder zumindest intensiv nach ihm gefahndet wird. "Von diesem Aspekt her wird er immer versuchen, so schnell wie möglich vom Ausgangsort wegzukommen, was in jedem Fall eine erhebliche Gefahr für die Allgemeinheit nach sich ziehen wird."

Die Beamten erhalten für solche Fälle eine besondere Fahrausbildung, auch mittels Verkehrstrainingssimulator. "Hierbei lernen die Beamten in Ausbildung in realistischen Bedingungen die Herausforderungen von Fahrten unter Verwendung von Sonder- und Wegerechten kennen und meistern." Dieses Training sei vorgeschrieben und werde von speziellen Ausbildern betreut, erklärte Enkling.

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