Nach der Explosion auch noch Ärger mit der Versicherung

Ein Selbstmörder jagte sich im Haus von Raimund Dresel in die Luft – wer zahlt den Schaden?
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Nur noch ein Trümmerberg: Die Explosion hatte das Haus förmlich zerrissen – Renate K. stürzte vom ersten Stock ins Erdgeschoss. Glücklicherweise trafen keine herumfliegenden Trümmer ihren Kopf.
bayernpress.com 2 Nur noch ein Trümmerberg: Die Explosion hatte das Haus förmlich zerrissen – Renate K. stürzte vom ersten Stock ins Erdgeschoss. Glücklicherweise trafen keine herumfliegenden Trümmer ihren Kopf.
Am Unglücksort schilderte Raimund Dresel am Telefon das Ausmaß der Katastrophe.
bayernpress.com 2 Am Unglücksort schilderte Raimund Dresel am Telefon das Ausmaß der Katastrophe.

Ein Selbstmörder jagte sich im Haus von Raimund Dresel in die Luft – wer zahlt den Schaden?

HÖCHSTADT Es war ein Alptraum und gleichzeitig ein Wunder: Ein ganzes Haus flog im Februar in Höchstadt in die Luft – vier Menschen überlebten die gewaltige Explosion. Nur einer starb: Es war Mieter Bernd E., der sich selbst in die Luft gejagt hatte und seine Mitbewohner fast mitgerissen hätte. Am Anfang waren die Nachbarn froh, dass sie überlebt haben. Doch inzwischen sind fast fünf Monate vergangen – und „die Versicherung hat immer noch nicht gezahlt“, klagt Raimund Dresel.

Der Rechtsanwalt ist der Sohn der Hausbesitzerin. Die 88-Jährige ist hörbehindert und fast blind. Er kümmert sich um ihre Belange. „Die Zeit ist vergangen, ohne dass ein Cent an einen der Geschädigten auf den Gebäudeschaden geleistet wurde. Eigentlich wären bereits vier Wochen nach dem Unglück 50 Prozent der Schadenssumme fällig gewesen“, klagt Dresel. Auch Renate K., die in dem Fünf-Parteienhaus eine Eigentumswohnung hatte, wartet aufs Geld.

Nicht mal die 38.000 Euro für den Abriss wurden vollständig gezahlt

Die Busfahrerin rechnete nicht mit Katastrophen – das Haus hatte ja noch nicht einmal einen Gasanschluss. Sie verzichtete sogar auf eine Hausratversicherung, die bei derartigen Vorfällen die Kosten für Mobiliar und ähnliches ersetzt. In der Baggerschaufel sitzend versuchten ihre Kinder aus dem einsturzgefährdeten Gebäude wenigstens noch ein paar Kleidungsstücke zu retten, während sie im Krankenhaus lag – vergeblich. Jetzt wohnt sie in einer Behelfswohnung der Gemeinde – mit gespendeten Möbeln.

„Hätte die Versicherung ordnungsgemäß mit den Zahlungen losgelegt, hätte ich drei Maisonettewohnungen gebaut“, sagt Dresel. 500.000 Euro sollte der Neubau kosten. Doch von der Versicherung seien noch nicht mal die 38.000 Euro für den Abriss vollständig gezahlt worden.

Die Bayerische Versicherungskammer ist sich aber keiner Schuld bewusst: Sie hätten die Kosten für die Aufräumarbeiten bis auf die Kosten für die Bewachung übernommen. „Sobald von den Versicherten die Voraussetzungen für die Erstattung des Zeitwerts geschaffen werden, werden wir auch diesen ersetzen“, so Sprecherin Claudia Scheerer. Vielleicht sei der noch nicht bestimmt.

Jetzt will Dresel nicht mehr bauen sondern den Grund verkaufen. Aber: „Die Gemeinde will den Grund nicht mehr als Bauland ausweisen – wegen Hochwasser. Da kommt man in die Bredouille – und kriegt es extra nochmal von allen Seiten ab.“ au

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