Marktl am Inn: Im Papsthaus tut sich was
Die Ausstellung im Geburtshaus von Joseph Ratzinger in Marktl am Inn wird nach dessen Rücktritt überarbeitet. „Er wünscht sich eine Begegnung mit Fragen des Glaubens“
Marktl -Nach dem Amtsverzicht von Benedikt XVI. will der theologische Leiter des Papst-Geburtshauses in Marktl am Inn, Ludwig Raischl, neue Akzente in der Begegnungsstätte setzen.
Raischl sagte, bislang stehe – ausgehend von Benedikts Geburtszimmer – die Frage nach den eigenen Wurzeln im Mittelpunkt. Künftig werde verstärkt eine zweite religiöse Frage hinzukommen: „Wohin geht's mit uns Menschen? Wohin gehen wir?“
Zwar gehe es im Papsthaus stark um Benedikt XVI., es werde aber kein Personenkult betrieben. Vielmehr, so Raischl, diene die Person des Papstes dazu, die Besucher anzuregen, den Blick auf sich selbst zu richten, sich Fragen zum eigenen Leben zu stellen. „Dieses Konzept ist aktuell wie eh und je.“
Mit dem Anfang und künftig auch dem Ende des Lebens würden die beiden Eckpunkte des menschlichen Daseins thematisiert. „Und da haben wir als Christen eine Botschaft, die für den ganzheitlichen Blick auf das Leben hilfreich sein kann“, sagte Raischl. Damit folge das Geburtshaus dem Auftrag des Papstes: „Er wünscht sich eine Begegnung mit Fragen des Glaubens.“
Derzeit werde die einführende Multimediaschau überarbeitet. Sie sei noch von der Stimmung des Jahres 2006 geprägt. Bis das Haus im Frühjahr wieder regulär öffnet, soll die Schau aktualisiert sein und auch den Amtsverzicht des Papstes berücksichtigen. Weitere Veränderungen in der Dauerausstellung sind laut Raischl bisher nicht geplant.
Die neuen Akzente sollen vielmehr über Sonderausstellungen gesetzt werden. Das Papst-Geburtshaus ist von Ostermontag bis Ende Oktober geöffnet, angemeldete Besuchergruppen können es aber auch in den Wintermonaten besichtigen. Bisher kamen jedes Jahr etwa 15000 Besucher, mit einem Rückgang rechnet er trotz des Papst-Rücktritts nicht: „Solange sich die Menschen für Joseph Ratzinger und seine Anliegen interessieren, solange sind sie im Geburtshaus richtig.“
Unter den bisher mehr als 100000 Besuchern war auch viel Prominenz, etwa die Ministerpräsidenten Horst Seehofer, Günther Beckstein und Edmund Stoiber (alle CSU), kirchliche Würdenträger aus aller Welt, aber auch Künstler wie Kabarettist Gerhard Polt und die Musiker der Biermösl Blosn.