Gustl Mollaths Bruder Jürgen liegt tot in der Psychiatrie von Ansbach

Nürnberg - Der Name Gustl Mollath steht für ein beispielloses Versagen von Justiz und Psychiatrie. Mehr als sieben Jahre saß er unter rechtswidrigen Umständen in den geschlossenen Abteilungen der Bezirkskrankenhäuser Straubing und Bayreuth. Jetzt taucht der Name Mollath erneut in Zusammenhang mit fragwürdigen Vorgängen auf. Diesmal geht es um seinen älteren Bruder Jürgen (70), der im Bezirkskrankenhaus Ansbach unter mysteriösen Umständen gestorben ist.
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Die Staatsanwaltschaft Ansbach will sich mit Hinweis auf Persönlichkeitsrechte nicht zu den Details der Todesumstände äußern. Oberstaatsanwalt Michael Schrotberger, Sprecher der Behörde in der mittelfränkischen Bezirkshauptstadt, bestätigte aber auf Anfrage, dass ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet und eine Obduktion durchgeführt worden sei. „Das Verfahren richtet sich derzeit gegen Unbekannt“, erklärt er.
Jürgen Mollath stirbt zwei Wochen nach der Klinik-Einlieferung
Keinerlei Angaben, nicht einmal eine Bestätigung dafür, dass Jürgen Mollath in der geschlossenen Abteilung untergebracht war, macht die Sprecherin des Ansbacher Bezirkskrankenhauses. Nach Informationen der AZ wurde Jürgen Mollath am 8. September, gerade einmal zwei Wochen nach seiner Einlieferung in die Psychiatrie, tot in seinem Bett und nur mit einem Unterhemd bekleidet aufgefunden. Nachdem eine hinzugezogene Ärztin die genaue Todesursache nicht feststellen konnte und in der entsprechenden Bescheinigung die Rubrik „ungeklärt“ angekreuzt hatte, wurde die Staatsanwaltschaft eingeschaltet, die eine Obduktion des Leichnams veranlasste. Als Ergebnis der amtlichen Untersuchung wurde als Todesursache ein Herzversagen festgestellt.
Merkwürdig ist allerdings, dass laut zuverlässigen Quellen in dem Bericht des Obduzenten keine Hinweise auf massive Hämatome vor allem im Hals- und Kopfbereich des Toten erwähnt werden und wie sie zustande gekommen sein könnten. Nach gesicherten Informationen der AZ wies die Leiche von Jürgen Mollath jedoch mehrere Hämatome und Verletzungen auf.
Aus dem Umfeld des Toten, der am Dienstag auf dem Nürnberger Südfriedhof beigesetzt werden soll, sind Stimmen zu hören, die auch Zweifel an der Verhältnismäßigkeit der Unterbringung in der Psychiatrie äußern. Der zuvor in einem Nürnberger Altenheim lebende Mann habe unter anderem durch unachtsames Hantieren mit einer Zigarette einen Zimmerbrand ohne nennenswerte Folgen ausgelöst und sei sonst lediglich durch wenige Schwarzfahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln und einer Zechprellerei aufgefallen, die aber strafrechtlich nicht weiter verfolgt worden seien. Die Einweisung sei wie bei seinem Bruder Gustl durch die Nürnberger Justiz erfolgt.