"Fügen ihnen grausame Verletzungen zu": Tierschützer fordern Fahrverbot für Mähroboter

Bei Gefahr rollen sich die kleinen stacheligen Kerlchen zu einer Kugel zusammen, anstatt zu fliehen. Naturschützer rufen deshalb dazu auf, Mähroboter nicht unbeaufsichtigt fahren zu lassen.
Leonie Fuchs |
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Ein Igel mit einer Kopfverletzung.
Ein Igel mit einer Kopfverletzung. © Marius Becker/dpa

München - Bei Gefahr rollen sich die kleinen stacheligen Kerlchen zu einer Kugel zusammen, anstatt zu fliehen. Naturschützer rufen deshalb dazu auf, Mähroboter nicht unbeaufsichtigt fahren zu lassen. Denn die vermeintlichen Garten-Helfer stellen eine tödliche Gefahr für Igel und andere Tiere dar. 

Immer mehr Igel fallen Mährobotern zum Opfer, schreibt das bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) auf seiner Webseite. Die Kleinsäuger könnten von den Maschinen überfahren und von deren messerscharfen Klingen geschnitten werden.

Verwundete Tiere würden sich demnach zurückziehen und im schlimmsten Fall an ihren Wunden verenden, die sich entzünden. Igelauffangstationen seien zunehmend überlastet aufgrund der wachsenden Zahl an durch Roboter verletzten Tieren. 

Das LfU appelliert daher, Mähroboter "nur tagsüber und nicht täglich, nur in bestimmten Bereichen und unter Aufsicht fahren" zu lassen. Zudem sollten die Bereiche, die zu mähen sind, vorab auf Igel und andere Tiere kontrolliert werden.

Tod durch Mähroboter: Igel in Bayern auf der Vorwarnliste gefährdeter Arten

Der bayerische Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) sieht ebenso eine wachsende Bedrohung durch die Garten-Helfer für die "auch in Bayern immer seltener werdenden Igel". Die kleinen Säugetiere stehen in Bayern auf der Vorwarnliste gefährdeter Arten.

Gärten, Parks und Siedlungsgebiete seien für die Tierchen ein wichtiger Lebensraum. "Unser dringender Appell: Wer jetzt in den Urlaub fährt, sollte seinen Mähroboter in dieser Zeit auf keinen Fall unbeaufsichtigt laufen lassen und vor der Reise abschalten."

Diese Maschinen sollten nur tagsüber fahren, fordern Fachleute.
Diese Maschinen sollten nur tagsüber fahren, fordern Fachleute. © Marius Becker/dpa

Denn Igel und auch Amphibien würden von den Maschinen oft gar nicht als Hindernis wahrgenommen. "Wenn sie dann einfach über die Tiere hinwegfahren, fügen sie ihnen grausame Verletzungen zu", so die LBV-Biologin Angelika Nelson.

"Viele Opfer werden entsorgt oder gar nicht gefunden"

Die Dunkelziffer an verletzten oder getöteten Tieren sei dabei groß. "Das Ausmaß dieser Gefahr ist schwer abzuschätzen, da viele Roboter-Opfer einfach in der Mülltonne entsorgt oder gar nicht erst gefunden werden", so Nelson weiter laut einer Mitteilung. Einige Hersteller würden sogar darauf hinweisen, ihre Mähroboter nicht unbeaufsichtigt laufen zu lassen.

Doch leider sei genau dies der Hauptgrund für die Anschaffung eines solchen: "Er arbeitet ganz allein, man muss nicht danebenstehen und wenn man aus dem Urlaub nach Hause kommt, wartet keine lästige Gartenarbeit", so die Biologin. Viele würden die Warnhinweise einfach missachten.


Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) forderten deshalb bereits Anfang des Jahres strengere Auflagen für Hersteller. Die Geräte seien mit viel Leid und Schmerz für Igel verbunden.

"Wir fordern verbindliche, europaweite Sicherheitstests, ähnlich wie Crashtests für Autos", sagte Anne Berger vom Leibniz-IZW. Derzeit arbeite das Institut an der Umsetzung solcher Tests, so Berger auf AZ-Anfrage. Deren Design sei fast fertig, ebenso wie das des Igel-Dummys.

LBV fordert Nachtfahrverbot von Mährobotern

Der LBV spricht sich zudem für ein Nachtfahrverbot von Mährobotern im Tierschutzgesetz aus, denn genau dann seien die vielen nachtaktiven Wildtiere unterwegs. Generell hätten die Geräte einen schlechten Einfluss auf Gärten, weil sie Artenvielfalt verhindern, so der LBV weiter.

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"Auf täglich gemähten und damit sterilen Rasenflächen finden Igel keine Nahrung."  Wo regelmäßig Mähroboter fahren, wachse keine Blüten mehr. "Damit bleiben auch die Insekten aus, die für den Igel und andere Wildtiere ein wichtiger Bestandteil der Nahrung sind", heißt es weiter. Und die wenigen Insekten, die sich doch auf den Rasen verirren, würden vom Mähroboter eingesaugt und zerhäckselt. 

Entdeckt man einen verletzten Igel, sollte unbedingt erst ein Experte kontaktiert werden, so der Bund Naturschutz auf seiner Webseite. Auch ein apathisch wirkendes Tier könnte auf Hilfe angewiesen sein. "Ein verletzter Igel ist hilfsbedürftig und braucht medizinische Versorgung." Füttern und Abwarten sei nicht sinnvoll.

Besser kontaktiere man einen Tierarzt oder eine Igelstation.  Verletzte Wildtiere nimmt etwa die Tierrettung München (01805 843773) auf. Auch der Igelhilfeverein weiß Rat (01590 6720003) und ebenso der Tierschutzverein München (089 9210000).

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  • Gelegenheitsleserin am 21.08.2024 08:31 Uhr / Bewertung:

    @Der wahre tscharlie
    "Unabhängig davon, dass ich Mähroboter sowieso für eine überflüssige Erfindung halte ..."

    So habe ich auch lange gedacht. Aber ich habe Verständnis dafür, dass mein 89-jähriger Vater und seine 85-jährige Lebensgefährtin sich vor kurzem einen Mähroboter gekauft haben.
    Mit Hüft-, Knie- und Rückenleiden (nachdem sich die beiden ein Leben lang viel bewegt haben) geht's halt nicht mehr mit dem "guten alten Handrasenmäher".
    Und wir Kinder wohnen zu weit entfernt, um uns regelmäßig um den Rasen zu kümmern (und haben auch selbst schon unsere Zipperlein).

  • Der wahre tscharlie am 20.08.2024 19:04 Uhr / Bewertung:

    Unabhängig davon, dass ich Mähroboter sowieso für eine überflüssige Erfindung halte, aber wer bitte läßt nachts seinen Mähroboter laufen? Nachts?
    Nehmt einfach den guten alten Handrasenmäher in die Hand und mäht damit. Bewegung hält fit und man sieht auch, was alles im Garten wächst.

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