Bund Naturschutz: Klage gegen bayerische Wolfsverordnung
München - Der Bund Naturschutz in Bayern (BN) wird gegen die bayerische Wolfsverordnung juristisch vorgehen. BN-Vorsitzender Richard Mergner kündigte eine Normenkontrollklage gegen die Verordnung an, die den Abschuss von Wölfen erleichtern soll.
"Wir machen uns mit der Klage nicht viele Freunde", sagte Mergner am Mittwoch.
Ist die bayerische Wolfsverordnung rechtswidrig?
Vertreten wird der BN im Rechtsstreit von Rechtsanwältin Franziska Heß von der auf Umweltrecht spezialisierten Würzburger Kanzlei Baumann. Heß hält die Verordnung schon aus formalen Gründen für rechtswidrig, weil sie ohne Beteiligung von Naturschutzverbänden erlassen wurde.
Inhaltlich seien die Voraussetzungen für den Abschuss von Wölfen, die eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Gesundheit und Leben von Mensch darstellen, viel zu pauschal gefasst, sagte sie. Der Wolf stehe sowohl europa- wie bundesrechtlich unter strengem Schutz.
"Der Wolf wird mehr oder weniger beliebig zum Abschuss freigegeben"
So würden Weidegebiete zu großzügig als "nicht schützbar" eingeordnet. Zudem verzichte die Verordnung auf jede Individualisierung und erlaube die Tötung eines Wolfes in zeitlichem und räumlichen Zusammenhang eines Vorkommnisses ohne Rücksicht darauf, ob das betreffende Tier auch ursächlich dafür ist.
"Der Wolf wird mehr oder weniger beliebig zum Abschuss freigegeben", sagte Heß: "Das geht nicht."

Der Wolf als "billiges Wahlkampfthema"
Der BN widersetze sich nicht grundsätzlich dem Abschuss von "Schadwölfen", betonte Mergner: "Der BN schützt nicht Einzeltiere, sondern Lebensgrundlagen und Öko-Systeme." Mergner warf Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und seinem Stellvertreter und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) vor, Ängste zu schüren und ein "billiges Wahlkampfthema" aufzusetzen: "Das ist verantwortungslos."
Die Naturschützer wollten mit der Normenkontrollklage keinen Beitrag zum bayerischen Landtagswahlkampf leisten, sondern zu einem besseren Wolfsmanagement und Herdenschutz beitragen.
Forderung nach Herdenschutz für Wölfe
Der BN-Experte für große Beutegreifer, Uwe Friedel, forderte "Herdenschutz, wo immer es geht".
Wenn ein Wolf dennoch zu einem "Weidetierspezialisten" heranreife und Weideflächen "nicht zumutbar schützbar" seien, könne ein Abschuss notwendig werden, um die Zahl der Risse von Nutztieren zu reduzieren.
So viele Wölfe gibt es in Bayern
Mergner bezifferte die Zahl der Wölfe in Bayern auf etwa 30. "Zu 95 Prozent" würden von ihnen Rehe, Hirsche und Wildschweine gerissen.
Die Bayerische Staatsregierung müsse erkennen, dass der Wolf im Freistaat "nicht mehr ausrottbar" sei und alles tun, um eine Koexistenz zwischen dem Raubtier und der Weidewirtschaft hinzubekommen.
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